Albert Einstein hat die Menschen schon vor 100 Jahren gelehrt, dass es keine absolute Zeit geben kann. Das Maß der Zeit hängt immer von demjenigen ab, der sie erlebt. Das Bewußtsein schafft sich seine eigene Zeit, es ist dabei nicht abhängig von irgend einem Takt, so wie es beim biologischen Rythmus ist, den jeder in sich hat. Wir beurteilen die Zeit nach dem was wir tun, worauf wir achten und unsere Wahrnehmung entscheidet, ob die Zeit langsamer oder schneller vergeht.
Zeit ist aber nunmal der Stoff aus dem das Leben ist. Einstein sagste, ein zweistündiges Rendevous mit einem Mädchen, in das man verliebt ist, verfliegt so schnell wie zwei Sekunden. Zwei Sekunden auf einer heißen Herdplatte erscheinen uns so lange wie zwei Stunden.
Unser Gehirn kann vieles ertragen, nur keine Langeweile. Dazu hat es die Evoution nicht angelegt. Ständig Neues zu erfahren und neue Wege und Lösungen zu finden, war für das Überleben entscheidend. Haben sie schon einmal in einer Zahnarztpraxis sehr lange warten müssen? Es gibt wohl nichts Schlimmeres. Man vermutet, es wird einem Schmerz zugefügt, es soll so schnell wie möglich vorbei sein, doch wir werden gezwungen zu warten.
Es kann aber genau so schrecklich sein auf etwas Schönes zu warten. Als Kind auf das Christkind zu warten ist eine anspruchsvolle Herausforderung. Sich auf einen Moment zu freuen, der sich zum erhofften Zeitpunkt nicht einstellt, sondern immer wieder hinausgeschoben wird ist unerträglich. Dankbar ist das Gehirn da über Abwechslung. Eine Tätigkeit, die uns so sehr ausfüllt, dass wir darüber die Zeit vergessen können. "Flow" ist der Begriff dafür - erfunden von Mihaly Csikszentmihalyi - in etwas völlig aufzugehen und darüber alle Dimensionen zu vergessen.
Wenn wir auf etwas warten, das sich nicht einstellt sind wir erregt, wir empfinden die Kränkung, dass man uns warten läßt. Wir empfinden Ohnmacht, weil wir nichts tun können um die Zeit zu beschleunigen, wir sind ihr aus geliefert.
Wir empfinden Angst, dass wir etwas Entscheidendes versäumen, oder den Ärger darüber gefangen zu sein und das nicht tun zu können, was wir eigentlich tun wollen. Etwas gegen seinen Willen ertragen zu müssen kann die Zeit schier unendlich dehnen. Nelson Mandela erinnert sich an die Zeit seiner Gefangenschaft in südaftikanischen Kerkern. "Jede Stunde erschien mir wie ein Jahr"
Jeder Mensch empfindet Momente und Zeit anders, Situationen sind unterschiedlich. Jemandem der sehnsüchtig auf etwas wartet zu sagen, "...hab Geduld, ist ja nicht so schlimm", ist schlichtweg sinnlos. Es ist entscheidend im Hier und Jetzt zu leben. Glück in ein paar Monaten ist im Moment völlig nutzlos!
Ich hatte eine Freundin, sie arbeitete jahrelang ausschließlich um ihre Schulden zurückzuzahlen. In einigen Monaten wollte sie zum ersten Mal seit Jahren wieder Urlaub machen. Sie bekam Husten, der nicht vergehen wollte. Sie ging zum Arzt. Diagnose Lungenkrebs. Fünf Wochen später war sie tot. Sie war 45 Jahre alt.
Man kann die Zeit dehnen oder verkürzen, hassen oder genießen, nur eines kann man nicht, in der Zukunft leben....
(inspired by Stefan Klein - Zeit)
Ich bin nicht der Dauerempfehler
vor 3 Tagen
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